"Lerne lachen ohne zu weinen"
Texte und Chansons von Kurt Tucholsky


Am Flügel: Jürgen Oßwald

Er war Lyriker, Kritiker, Romancier, bissiger Satiriker und Verfasser erotisch-frecher Chansons. Er liebte die Frauen, die verrauchten Berliner Kneipen und die halsbrecherischen Pointen. Er hat die Katastrophe des Nationalsozialismus vorausgeahnt, so früh wie kaum ein anderer - und doch geglaubt, sie mit der Schreibmaschine aufhalten zu können. Er wurde ausgebürgert aus Deutschland, das er hasste und liebte, und im schwedischen Exil hat er sich dann das Leben genommen: Kurt Tucholsky, seinen Zeitgenossen auch als Peter Panther, Theobald Tiger oder Kaspar Hauser bekannt. In einer leichtfüßig-tiefgründigen biographischen Revue präsentieren der Schauspieler Herwig Lucas und der Pianist Jürgen Oßwald Chansons und Texte des unbequemen Zeitzeugen. Schillernde Miniaturen, von der Erschaffung der Welt bis zum ultimativen Rezept gegen Grippe, vom Glück und vom Unglück in der Liebe und, wenn gar nichts mehr hilft, vom kleinen Stückchen Kautabak. "Lerne lachen, ohne zu weinen", heißt ihr Programm.



HINREISSENDER TUCHOLSKY-ABEND… Der Schauspieler Herwig Lucas bescherte seinem Publikum zu später Stunde einen Tucholsky-Abend der Extra Klasse…(Soester Anzeiger)

KLEINE BLICKE - GROSSE GESTEN Kurt Tucholsky war da. Nicht herbeigezwungen durch bemühte Beschwörung, sondern zwischen den Zeilen. In den gelungensten Momenten seines Tucholsky-Programms, "Lerne Lachen ohne zu weinen", verwandelte sich der Schauspieler in eine Art Medium. Durch die Worte. Die stammten von Tucholsky. Durch Körper und Stimme, und die waren von Herwig Lucas, der am Samstagabend beim Kulturzug im Alten Rathaus in Bebra mit Pianist Jürgen Oßwald (Dirigent des Kasseler Sinfonie-Orchesters) gastierte. Zwei Männer in perfekter Harmonie.

Kleine Blicke, kurzes Zögern, große Gesten, einen Lacher zu viel - das beschwor Lucas immer herbei. Die erfahrungsgesättigten, aus dem Leben gegriffenen großen, meist lärmenden Szenen und die kleinen Skizzen, für die wir Tucholsky lieben – und auch Herwig Lucas, der jede Silbe auf die Goldwaage legte, Worte ausperlte, nachdenklich flüsterte.
Der Schauspieler provozierte durch seinen Vortrag fröhliche Stimmung wie auch Gänsehaut und tiefe Betroffenheit. Die Aufführung verlieh dem sezierenden Scharfblick eines Kurt Tucholsky Wort und Stimme, bis hin zu Schimpftiraden im Berliner Dialekt. Der Schulaufsatz über den Menschen, Briefwechsel mit Schwester Ellen und Ehefrau Mary, die Rezepte gegen Grippe, preiswerte Bücher, Kochrezepte, die Lottchen-Geschichten oder sein Wüten gegen die damals lahme Sozialdemokratie und den nahenden Faschismus: In und zwischen den Zeilen zischte und blitzte es, glitzerte, knallte und knisterte es. Tucholskys so treffsichere Sprache, seine humorigen, hintersinnigen und zum Teil beißend kritischen Texte sind auch heute noch verblüffend aktuell, wie das Gedicht vom „Raffke“, der zu Beginn der 20er-Jahre in 30 Aufsichtsräten sein Unwesen trieb, belegte. Ein unvergesslicher Abend, nicht nur für Literaturliebhaber.
(Hessische Allgemeine Zeitung)

VON QUIRLIG BIS BISSIG - HERWIG LUCAS MIT 'TUCHO' … Ergreifend, aber mit sparsamen Mitteln, jede Übertreibung vermeidend, rezitierte Lucas "Der Graben", würzte "Rosen auf den Weg gestreut" nur mit einem Hauch von Ironie, bissiger die "Feldfrüchte", militärisch zackig "Das Leibregiment", amüsiert die "Rezepte gegen Grippe" oder die "Kochrezepte, gesammelt von Kurt Tucholsky". Mit stimmiger Situationskomik gelang "Nichts anzuziehen", "Lottchen beichtet einen Geliebten" und "Stoßseufzer einer Dame in bewegter Nacht". Melancholisch - wie sollte es anders sein - wurde es bei den Texten um Tuchos Ende. Doch so wollte Herwig Lucas sein Publikum nicht entlassen. In seiner Zugabe "Wie kommen die Löcher in den Käse?", einem "Mehr-Personen-Text" stellte er sich einer wirklichen Herausforderung. Quirlig und brillant in Stimme und Haltung schlüpfte er von einer in die nächste Rolle und setzte so einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter sein Programm, an das man auch in den folgenden Tagen noch gerne zurückdenkt….
(Westfälische Zeitung)

TUCHOLSKY: ZUM LACHEN UND WEINEN Das Leben Kurt Tucholskys in gerade mal 90 Minuten abrollen. Unmöglich? Keinesfalls, zumindest nicht für Herwig Lucas, der … Lieder und Texte des genialen, ironischen Dichters und Journalisten vortrug. Unterstützt wurde er dabei von Jürgen Oßwald am Klavier. Brillant verstand es der Künstler … die innere Zerrissenheit Tucholskys näher zu bringen. Ein Mensch, der Deutschland liebte, aber auch haßte und daran letztendlich zugrunde ging. Der Zuhörer schritt dabei durch ein Wechselbad der Gefühle. Nachdenklichen, ja fast erschütternden Textpassagen aus Werken Tucholskys, folgten amüsante Chansons. Wunderbar vorgetragen Lottchens Dialog, als es um ihre Beziehung zu Tucholsky ging. Schallendes Gelächter beim Publikum. Nachdenkliche Stille beim Verlesen des letzten Briefes Tucholskys an seine Frau Mary, der er als einzige trotz aller Eskapaden treu blieb. In Hofgeismar blieb nach 90 Minuten ein nachdenkliches Publikum zurück, das aber gleichwohl blendend unterhalten worden war. Der lang anhaltende Applaus für die beiden Kasseler Künstler spiegelte dies eindrucksvoll wieder.
(HNA, Hofgeismar)